Weiterer Meilenstein geschafft: 9,85 Mio. Euro Nachförderung vom Land für die Rems-Murr-Kliniken

Mit der Medizinkonzeption auf Kurs / Jahresabschluss 2018 gegenüber Vorjahr verbessert
Winnenden/Schorndorf. Die Mitglieder des Kreistages haben heute die Nachförderung des Landes Baden-Württemberg für 70 Planbetten der Rems-Murr-Kliniken in Höhe von 9,85 Mio. Euro einstimmig gebilligt.

Mit der Nachförderung hat der Kreis zwei Jahre nach der Verabschiedung seiner Medizinkonzeption durch den Kreistag (25. April 2017) einen weiteren ganz wesentlichen Meilenstein erreicht. Der Landkreis hatte beim Neubau des Klinikums Winnenden 70 Betten gebaut, die nicht im Krankenhausplan des Landes vorgesehen waren. Die Finanzierung erfolgte allein aus Mitteln des Kreises. Neben der Investition, die der Kreis allein getragen hatte, brachte dies auch mit Blick auf die Abrechnung erbrachter Leistungen erhebliche wirtschaftliche Nachteile mit sich. Denn erbrachte Leistungen können grundsätzlich nur dann voll mit den Krankenkassen abgerechnet werden, wenn entsprechende Planbetten vom Land genehmigt sind. Erbrachte Leistungen ohne entsprechende Planbetten führen hingegen zu erheblichen Abschlägen und damit zu einer finanziellen Belastung. Die bereits gebauten 70 Betten als Planbetten vom Land genehmigt zu bekommen und nach Möglichkeit auch noch eine Nachforderung zu erreichen, war daher einer der zentralen Meilensteine der Medizinkonzeption.

Bereits im März vergangenen Jahres hat das Sozialministerium des Landes Baden-Württemberg auf Grundlage der erarbeiten standortübergreifenden Medizinkonzeption für Winnenden und Schorndorf einer Aufnahme von 117 zusätzlichen Planbetten für das Rems-Murr-Klinikum Winnenden in den Landeskrankenhausplan zugestimmt. Damit wurde in einem ersten Schritt ein Antrag auf Nachförderung der 70 bereits gebauten Betten möglich, dem jetzt in einem zweiten Schritt stattgegeben wurde.

Sigel: Zentraler Meilenstein geschafft
„Die Nachförderung beweist eindrücklich, dass wir mit unserer Medizinkonzeption im Plan sind und keine leeren Versprechungen gemacht haben“, so der Aufsichtsratsvorsitzende der Rems-Murr-Kliniken, Landrat Dr. Richard Sigel. „Die Anstrengungen der letzten Jahre haben sich gelohnt, denn mit dieser Nachförderung ist ein weiterer zentraler Meilenstein erreicht, der sich für den Kreis gleich in mehrfacher Hinsicht wirtschaftlich positiv auswirkt.“ Dabei sei die Nachförderung kein Selbstläufer, sondern im Wesentlichen ein Zugeständnis des Landes, so der Landrat dankend in Richtung Sozialministerium. Dieses Entgegenkommen sei auch der transparenten und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium und den Gremien geschuldet, so der Landrat. „Gemeinsam haben wir das Sozialministerium und den Landeskrankenhausausschuss überzeugt. Dafür bedanke ich mich beim Kreistag, der Führungsmannschaft, den Chefärzten sowie der gesamten Belegschaft der Rems-Murr-Kliniken ganz herzlich.“

Nickel: Medizinkonzeption ist Erfolgsmodell
Für den Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken, Dr. Marc Nickel, hat sich die Strategie einer klaren standortübergreifenden Medizinkonzeption ausgezahlt: „Mit der Medizinkonzeption haben wir klare Ziele und Strategien für die Kliniken in Winnenden und Schorndorf erarbeitet, die nicht nur innerhalb der Kliniken auf breiten Konsens gestoßen sind. Die vom Kreistag beschlossene Medizinkonzeption unterstreicht: Der Landkreis nimmt den öffentlichen Versorgungsauftrag ernst.“

„Mit hervorragenden Fachärzten und guten Pflegekräften sorgen wir in den Rems-Murr-Kliniken für Spitzenmedizin und verbessern kontinuierlich die betriebliche Organisation und die Prozesse. Die Operation am ‚Patient Rems-Murr-Kliniken‘ scheint gelungen. Der Patient ist zwar noch nicht vollständig genesen, aber er wird gut versorgt und ich bin zuversichtlich, dass wir seiner Entlassung entgegensehen können“, so der Geschäftsführer weiter.

Für Dr. Nickel schließt sich damit auch ein Kapitel: „Gemeinsam mit Dr. Sigel habe ich in den vergangenen drei Jahren viel damit zu tun gehabt, die Fehler aus der Vergangenheit zu korrigieren. Mit der Auszahlung der Nachförderung in Höhe von 9,85 Mio. Euro können wir sagen: Dieses Kapitel ist jetzt weitestgehend abgeschlossen.“ Es sei nun an der Zeit, sich der Zukunft zuzuwenden, so der Geschäftsführer: „Wir verlassen den Sanierungskurs und wollen entsprechend unserer Medizinkonzeption die Klinikstandorte in Winnenden und Schorndorf langfristig zukunftsfähig machen.“ Dr. Nickel weist auch darauf hin, dass dieser Erfolg ohne die engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht möglich sei: „Unsere Pflegekräfte, unsere Ärzte, unsere gesamte Belegschaft gibt jeden Tag ihr Bestes – auch wenn es aufgrund der hohen Auslastung und dem Pflegekräftemangel oft nicht einfach ist. Wir behandeln seit 2014 über ca. 10.000 Patienten mehr. Dafür bedanke ich mich im Namen der gesamten Führungsmannschaft bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.“ Landrat und Geschäftsführer sind sich dabei einig und betonen, dass man weiterhin qualifiziertes Fachpersonal dringend benötigt. Das Ergebnis auf Kosten der Mitarbeiter zu verbessern, sei nicht das Ziel.

Ergebnis von attraktiver Gesundheitsversorgung und intensiven Gesprächen
Der Bewilligung der Nachförderung waren intensive Vorbereitungen und Gespräche vorausgegangen. Wesentlich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Sozialministerium war die umfangreiche Medizinkonzeption, die nach einjähriger Ausarbeitung und Beratung im April 2017 mit breiter Mehrheit vom Kreistag beschlossen wurde.

Zentrales Ziel der Medizinkonzeption ist, die Attraktivität der Gesundheitsversorgung der Rems-Murr-Kliniken kontinuierlich zu verbessern: Seit 2014 werden ca. 10.000 Patienten zusätzlich behandelt. Besonders erfreulich ist, dass die gestiegenen Patientenzahlen ganz wesentlich darauf zurückzuführen sind, dass die Bürgerinnen und Bürger im Rems-Murr-Kreis ihre Kliniken annehmen und nutzen.

Aufgrund dieser verbesserten Auslastung wurde mit dem Land über einen Ausbau der Plankapazitäten der Rems-Murr-Kliniken und eine Nachförderung der bereits gebauten 70 Betten in Winnenden verhandelt. Es folgte zunächst ein umfangreicher Austausch mit den Krankenkassen im August und September, sowie mit dem Sozialministerium im Oktober und Dezember 2017, der schließlich zur Bewilligung von 117 zusätzlichen Planbetten im März 2018 führte. Die Abstimmung wurde im April und Juli 2018 fortgesetzt. Ebenfalls im Juli besuchte der Sozialminister Manfred Lucha den Landkreis. Schließlich wurde im September 2018 der Antrag auf Nachförderung der bereits gebauten 70 Betten eingereicht, der jetzt vom Land bewilligt und vom Kreistag angenommen wurde.

Medizinische Expertise und Attraktivität der Gesundheitsversorgung ausgebaut
Die Rems-Murr-Kliniken und die Attraktivität der Gesundheitsversorgung des Rems-Murr-Kreises haben sich in den vergangenen Jahren rasant weiterentwickelt. So wurde zum Beispiel der medizinische Bereich für den menschlichen Bewegungsapparat mit der Orthopädie in Winnenden zum zertifizierten Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung ausgebaut und in Schorndorf das Wirbelsäulenzentrum Level II etabliert. In Winnenden wurde das Onkologische Zentrum zur interdisziplinären Versorgung von Tumorerkrankungen geschaffen, in Schorndorf die multimodale Schmerztherapie.

Neben modernster Medizintechnik, wie beispielsweise dem 3D-Operationsturm in der Urologie und einem Bronchoskop auf dem neuesten Stand der Technik in der Thoraxchirurgie in Winnenden oder der moderne Dual-Energy-Computertomograf für komplexe CT-Untersuchungen in Schorndorf, ist auch die standortübergreifende Zusammenarbeit unter anderem in der Kardiologie und der Gynäkologie ausgebaut worden.

Zusätzlich wurde durch diverse Maßnahmen der Patientenkomfort verbessert, beispielsweise die Speisenversorgung komplett neu organisiert. Umbaumaßnahmen in den Notaufnahmen in Schorndorf und Winnenden haben die Wartezeiten verkürzt und leiten die Patienten je nach Bedarf zur ambulanten Notfallpraxis oder zur Behandlung in die Klinik. Nicht zuletzt der Status als Akademisches Lehrkrankenhaus und die Ausbildung neuer Ärzte in Zusammenarbeit mit der Universität Tübingen zeigen die hohe medizinische Expertise der Rems-Murr-Kliniken.

Positive vorläufige Jahresbilanz 2018
Die gestiegene Patientenzahl hat sich auch wirtschaftlich niedergeschlagen: Das operative Ergebnis hat sich seit 2014 um 15,4 Mio. Euro verbessert, aus Sicht des Kreises bedeutet das eine Verringerung des jährlichen Zuschusses um 8,7 Mio. Euro.

Die positive Entwicklung der Rems-Murr-Kliniken zeigt sich auch im vorläufigen Jahresabschluss 2018: Das operative Ergebnis (EBITDA) konnte um rund 29 Prozent (+0,8 Mio. Euro) gegenüber Vorjahr auf – 2 Mio. Euro verbessert werden. Der Umsatz ist mit 13,0 Mio. Euro um 6,3 Prozent auf insgesamt 219,6 Mio. Euro gestiegen. Der Jahresfehlbetrag der Rems-Murr-Kliniken gGmbH hat sich aus Sicht des Kreises um ca. 3,1 Mio. Euro auf 18,7 Mio. Euro reduziert.

Großen Einfluss auf das Jahresergebnis hatten – wie im vergangenen Jahr – Tarifsteigerungen sowie Aufwendungen aus Regelungen des Gesundheitssystems. So schlugen die Mehrleistungsabschläge (Fixkostendegressionsabschlag) allein mit 4,4 Mio. Euro negativ zu Buche, die Tarifsteigerungen gegenüber 2017 mit rund 3,0 Mio. Euro. Die abschließende Jahresbilanz wird im Juli von der Gesellschafterversammlung verabschiedet.

Ausblick
Ein weiterer Erfolg der Medizinkonzeption und ihrer Umsetzung ist, dass die Zukunftspläne für Schorndorf und Winnenden vom Sozialministerium sehr positiv bewertet werden. Dabei geht es um Zukunftsinvestitionen, die eine Erweiterung des Klinikums am Standort Winnenden und Investitionen in ein modernes und dem neuesten Stand der Technik entsprechendes Haus in Schorndorf vorsehen.

Alle Pläne zur Weiterentwicklung sollen nach der Kommunalwahl intensiv und transparent kreispolitisch beraten und mit dem Sozialministerium und den Verantwortungsträgern der Rems-Murr-Kliniken abgestimmt werden.

Landrat und Geschäftsführer sind sich angesichts dieser guten Gesprächsergebnisse mit dem Sozialministerium einig, dass man auf gutem Weg sei, die Rems-Murr-Kliniken in Schorndorf und Winnenden langfristig zukunftsfähig zu machen.

Weitere Informationen zu den Rems-Murr-Kliniken gibt es im Internet auf www.rems-murr-kliniken.de