Neues Angebot: Vertrauliche Hilfe nach einer Vergewaltigung

(v.l.n.r.) Uwe Belz (Kriminalpolizeidirektion Waiblingen), Dr. Oranna Keller-Mannschreck (pro Familia), Grit Kühne (Anlaufstelle gegen sexualisierte Gewalt, Landratsamt), Dr. Stefanie Grüneklee (Oberärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe Rems-Murr-Klinikum Winnenden) und Landrat Dr. Sigel. Quelle: Rems-Murr-Kliniken

Rems-Murr-Klinikum Winnenden ist die erste Anlaufstelle für Betroffene / Enge Kooperation mit Polizei und Beratungsstellen / Start am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen
Auch im Rems-Murr-Kreis sind Mädchen, Jungen und Erwachsene immer wieder von sexualisierter Gewalt betroffen. Viele Opfer sind unmittelbar nach der Tat nicht in der Lage zu entscheiden, ob sie eine Strafanzeige stellen wollen. Deshalb suchen die Opfer häufig keine Hilfe. Entschließen sie sich später doch dazu, Anzeige zu erstatten, sind die Beweise, die durch eine sofortige medizinische Untersuchung gesichert werden können, bereits nicht mehr vorhanden.

Diese Lücke wird nun geschlossen: Der Rems-Murr-Kreis nimmt als Modellregion am Projekt "Soforthilfe nach Vergewaltigung" teil. Opfer von sexueller Gewalt können sich vertraulich rund um die Uhr bei den Rems-Murr-Kliniken melden. Dort werden sie medizinisch versorgt. Beweise können gesichert werden, ohne dass eine Anzeige erfolgt. Die gesicherten Spuren werden ein Jahr lang aufbewahrt, falls sich das Opfer später für eine Anzeige entscheiden sollte.

Zum offiziellen Start des Projekts am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen eine Plakatkampagne an Bahnhöfen im Rems-Murr-Kreis an. Außerdem werden Arztpraxen, Jugendeinrichtungen und Beratungsstellen über das neue Angebot informiert.

„Landkreis und Kliniken arbeiten bei diesem Projekt gemeinsam mit den Kooperationspartnern Hand in Hand, um Menschen in einer äußerst schwierigen Situation zur Seite zu stehen“, sagt Landrat Dr. Richard Sigel. „Mit diesem Projekt wird das Rems-Murr-Klinikum Winnenden zur ersten Anlaufstelle für Opfer einer Vergewaltigung. Dahinter steht ein breit aufgestelltes Netzwerk, das sich gemeinsam gegen Gewalt und sexuelle Übergriffe im Rems-Murr-Kreis einsetzt.“

„Das Modellprojekt schließt eine Lücke in der Versorgung von Frauen und Mädchen, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind,“ so Dr. Stefanie Grüneklee, Oberärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe am Rems-Murr-Klinikum. „Durch das Angebot möchten wir den Opfern auch ein Stück ihrer Würde zurückgeben.“

„Die Einführung des Angebotes im Rems-Murr-Kreis kann helfen, die erste Hürde zu nehmen. Das Modellprojekt ist daher eine gute Ergänzung zur Polizeiarbeit“, so Uwe Belz von der Kriminalpolizei.

Dr. Oranna Keller-Mannschreck von ProFamilia ergänzt: „Pro familia bietet den Betroffenen ein sehr zeitnahes qualifiziertes und kostenloses Beratungs- und Unterstützungsangebot. Die Beratungsstelle ist eher selten die erste Ansprechpartnerin für die Opfer, die meisten kommen auf Zuweisung durch die Polizei, Frauenärztinnen oder als Selbstmelderinnen. Der Rems-Murr-Kreis zeigt Einsatz für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und das Wohlergehen seiner Bürgerinnen und Bürger, da er ganz vorne dabei ist, die medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung einzurichten.“

Hintergrund zum Projekt:
Der Sozialausschuss des Kreistags hat das Projekt im November 2018 auf den Weg gebracht. Die Initiative ging von der Anlaufstelle gegen sexualisierte Gewalt des Kreisjugendamts, den Rems-Murr-Kliniken, der Kriminalpolizei Waiblingen und der Beauftragten für Chancengleichheit im Landratsamt, Vanessa Mauser, aus.
Das Projekt kostet den Kreis im Startjahr 2019 etwa 10.500 Euro, in den folgenden Jahren je 7.000 Euro. Weitere Informationen zum Projekt gibt es hier: https://www.soforthilfe-nach-vergewaltigung.de/