Interventionen am Dialyseshunt

Ein Dialyseshunt ist eine künstlich angelegte Verbindung zwischen einer Vene und einer Arterie, in der Regel am Arm. Für die Blutwäsche (Hämodialyse) muss dem Organismus eine größere Menge Blut entnommen und gereinigt wieder zugeführt werden. So werden schädliche Substanzen und Flüssigkeit dem Körper entzogen. Um das nötige Blutvolumen in regelmäßigen Abständen zuverlässig zu entnehmen und dem Körper wieder zuzuführen, werden Hämodialyseshunts verwendet. Der Blutdruck in einer Arterie ist um einiges höher als in einer Vene. Durch die Kurzschlussverbindung zwischen Vene und Arterie steigt der Blutfluss in der abführenden Shuntvene stark an. Diese erweitert sich und die Wand der Shuntvene wird dicker. Dadurch kann genügend Blut für die Dialyse entnommen werden. Außerdem wird die Vene widerstandsfähiger und kann über längere Zeit für die Hämodialyse benutzt (punktiert) werden.
 
Der häufigste Ort für einen Shunt ist der Unterarm. Es wird in der Regel der nichtdominante (bei Rechtshändern also der linke) Arm ausgewählt. Es bietet sich an den Shunt dort anzulegen, wo eine Arterie und eine Vene nahe beieinander und gut zugänglich an der Oberfläche liegen. Meistens wird die daumenseitige Arterie am Unterarm der direkt daneben liegenden Vene verbunden. Nach dem Erfinder heißt diese Technik Cimino-Shunt. Diese Technik wird in Deutschland am häufigsten verwendet. Der Shunt kann aber auch in der Ellenbeuge oder am Oberam, in seltenen Fällen auch am Oberschenkel angelegt werden.
 
Nach „Ausreifen“ der Vene, d. h. wenn die Vene dicker und die Venenwand stabiler geworden ist, kann der Shunt nach wenigen Wochen verwendet werden.
 
Kein Shunt hält dauerhaft. Wenn der Shunt nicht mehr einwandfrei punktiert und benutzt werden kann, spricht man von einer Shuntinsuffizienz. Eine Shuntinsuffizienz durch Ausbildung einer Engstelle im Verlauf des Shunts oder ihrer zuführenden bzw. abführenden Gefäße ist eine häufige Komplikation.
 
Beim Shuntverschluss bildet sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in dem Shuntgebiet und verschließt den Shunt vollständig. Es ist dann weder ein Schwirren noch ein Klopfen des Shunts nachweisbar, die Dopplersonografie zeigt einen fehlenden Fluss innerhalb des Shunts.
 
Sowohl bei dem Verdacht auf eine Stenose im Bereich des Dialyseshunts oder eines Shuntverschlusses wird der Shunt zunächst durch Angiographie dargestellt.
 
Bei einer Shuntinsuffizienz muss der Shunt zunächst unter Röntgendurchleuchtung mit Hilfe von Röntgenkontrastmittel dargestellt werden. Der Patient liegt auf dem Rücken mit abduziertem (ausgestrecktem) Arm und dem Handrücken nach unten (Supinationsstellung) auf dem Angiographietisch. Der Shunt wird entweder in der Shuntvene oder in der zuführenden Arterie mit einer sehr dünnen Nadel (0,9mm oder 20G)  eingeführt. Nach Injektion eines Gemisches von jodhaltigem Kontrastmittels und physiologischer Kochsalzlösung wird der Shunt  mit den zu- und abführenden Gefäßen dargestellt. Diese Aufnahmen dienen zunächst der Diagnostik und ermöglichen die weitere Planung der Intervention.
 
Es werden arterielle und venöse Stenosen (Verengungen) unterschieden. Bei den häufig angelegten Ciminoshunts ist am häufigsten die Shuntvene betroffen. Therapie der ersten Wahl für venöse Stenosen ist die perkutane transluminale Angioplastie (PTA). Zur Durchführung einer PTA wird die Shuntvene direkt punktiert. Ein flexibler und sehr kleiner Ballonkatheter wird anschließend unter Durchleuchtungskontrolle in die Engestelle vorgeschoben. Befindet sich der Ballon in der Gefäßverengung wird dieser mit Drücken von bis zu 40 Atmosphären (ATM) mit Kontrastmittel gefüllt und die Engstelle aufgeweitet.
 
Die Voraussetzungen für eine Shuntintervention entsprechen den üblichen Voraussetzungen bei intraarteriellen Interventionen. Eine aktuelle Blutgerinnung (nicht älter als 7 Tage) muss vorliegen. Die Schilddrüsenwerte müssen ebenfalls vor Beginn der Intervention vorliegen. Mindestens 24 Stunden vor Intervention muss ein Aufklärungsgespräch über die geplante Untersuchung/Therapie durchgeführt werden.
 
Komplikationen sind Blutungen und Shuntverletzungen mit Ausbildung eines Blutergusses. Hier können in sehr seltenen Fällen gefäßchirurgische Operationen notwendig werden. Die Risiken der Punktion werden durch eine Kontrolle der Blutgerinnungswerte und eine schonende Punktion minimiert. Eine weitere mögliche Komplikation sind Entzündungen durch die Punktion oder allergische Reaktionen auf die verwendeten Kontrastmittel, welche ebenfalls sehr selten auftreten.