Diagnostik der Schluckstörung mit Videokinematographie

Damit Nahrung vom Mundraum über Zunge, Gaumen und Rachen, ohne in den Kehlkopf zu gelangen in die Speiseröhre und schließlich in den Magen kommt, sind über 50 verschiedene Muskeln, 5 Hirnnerven sowie ein funktionierendes sensibles System der Schleimhäute nötig. Angesichts der vielen am Schluckakt beteiligten Strukturen ist es nicht verwunderlich, dass im Laufe des Lebens, durch Altern oder Krankheit die Schluckstörung (Dysphagie) ein sehr häufiges Krankheitsbild darstellt.


1. Das „Kloßgefühl“ – der Globus pharyngis ("hystericus")
Ständige oder auch situativ auftretende Missempfindungen im Hals, die lediglich beim Leerschlucken auftreten und bei der Nahrungsaufnahme schwinden, bezeichnet man als Globus pharyngis. Der oftmals synonym verwendete Begriff "Globus hystericus" geht auf Hippokrates zurück und verdeutlicht die bis in die Gegenwart reichende Vorstellung einer rein psychischen Genese, was in aller Regel nicht gerechtfertigt ist.

Es gibt inzwischen zahlreiche Studien von Gastroenterologen, Radiologen und HNO-Ärzten aus denen hervorgeht, dass bei gründlicher Untersuchung mittels Endoskopie und Videokinematographie in 60-80% der Fälle eine morphologische oder funktionelle Veränderung in Pharynx oder Ösophagus zu finden ist. In einer Untersuchung der HNO-Klinik der Uni Bonn ließ sich bei 95% von Patienten mit Globus pharyngis oder Dysphagie ein gastroösophagealer Reflux nachweisen. Eine zentrale Rolle spielt hierbei der obere Ösophagussphinkter, hauptsächlich aus dem M. cricopharyngeus bestehend, welcher den Ösophaguseingang wie ein dorsal anliegender Zügel verschließt und einen Schutz des Larynxeingangs gegen aufsteigenden Mageninhalt darstellt. Der Muskel erschlafft normalerweise in der peristaltischen Welle des Schluckreflexes völlig. Die reflektorische Störung des Sphinkters lässt sich bei gastroösophagealem Reflux, aber auch bei anderen Störungen, sowie idiopathisch bedingt nachweisen und in der ViKi gut beobachten, entgeht aber beim konventionellen Röntgen meist der Diagnose.


2. Schluckstörungen beim älteren Menschen
Der normale Alterungsvorgang führt bereits zu erheblichen Veränderungen der anatomischen Strukturen im Mund und Rachenraum, was mit dem Begriff der Presbyphagie beschrieben wird. Diese Veränderungen haben ihre Ursachen v.a. in der Erschlaffung von Bindegewebe und Muskulatur bzw. in einer Atrophie der Pharynxkonstriktoren. Zusätzlich findet man häufig degenerative Fetteinlagerungen in der Glottis mit Behinderung des vollständigen Stimmritzenverschlusses.

Über ansonsten gesunde alte Menschen liegen keine Zahlen über die Häufigkeit von Schluckstörungen vor. Wohl aber über Patienten in Pflegeheimen, wo in 30-55% Schluckstörungen anzutreffen sind. Bei insgesamt 10-15% aller Patienten in einem Akutkrankenhaus ist mit Dysphagie zu rechnen, insbesondere bei Patienten mit neurologischen Erkrankungen, die in bis zu 50% betroffen sind. 


3. Schluckstörungen nach Schlaganfall
Patienten nach Schlaganfällen entwickeln besonders häufig eine Dysphagie:

6-10% der Betroffenen versterben im ersten Jahr nach dem Schlaganfall infolge einer Aspirationspneumonie (=Lungenentzündung durch Einatmung von Nahrungsbestandteilen, Erbrochenem oder Speichel)

Chronisch wiederkehrende Aspirationen nach Schlaganfällen sind häufige und schwerwiegende Störungen. Grundlage der Aspiration ist bei vielen Patienten der zu spät einsetzende Schluckreflex, aber auch Lähmungen im Bereich von Rachen- und Kehlkopfmuskulatur. Besonders gefürchtet ist die Kombination aus Aspiration und Störung des Hustenreflexes, was zur sogenannten ´stillen Aspiration´ führt, ein häufiger Befund bei Patienten mit cerebrovaskulären Läsionen (z.B. Schlaganfall). Diese Patienten bieten klinisch nicht den Eindruck einer Schluckstörung und fallen lediglich durch rezidivierende Fieberschübe oder Gewichtsabnahme auf.
 
Die Aufgabe einer bildgebenden Diagnostik des Schluckakts ist es, die Dysphagie (insbesondere auch die "stille Aspiration") möglichst frühzeitig zu erkennen und in ihrem Schweregrad einzustufen, sowie zur Einleitung einer geeigneten Therapie beizutragen.
 
Die Videokinematographie stellt ein Verfahren dar, welches sich vornehmlich mit funktionellen Veränderungen befasst. Sie ermöglicht die Dokumentation und Analyse der schnellen Schluckabläufe und wird zur Diagnostik zur Schluckstörungen eingesetzt. Insbesondere bei der Diagnostik und Bewertung der Aspiration erweist sich die Videokinematographie allen anderen Verfahren gegenüber als überlegen und gilt als Goldstandard der Diagnostik.
 
Wir verfügen mit über 150 Untersuchungen pro Jahr über große Erfahrung in der Schluckdiagnostik. Leider wird die Untersuchung (obwohl weltweit Standard) von den gesetzlichen Krankenkassen in der BRD nicht erstattet. Wir führen die Untersuchung deshalb für Selbstzahler zu einem Tarif durch, der den Basistarifen der ärztlichen Gebührenordnung (GOÄ) entspricht.